VINUM Weinguide 2020: „…Weltner schafft es derzeit wie kein Zweiter, seine Weine trotz der Würze feiner und eleganter zu machen….“

Und jetzt ist es passiert, es musste ja so kommen. Paul Weltner hat sich den vierten Stern erarbeitet und es war abzusehen. Den Ausschlag gab letzt-und schlussendlich am Ende sein Sieg bei der Verkostung „Silvaner fünf Jahre danach“. Sein Silvaner GG Hoheleite zeigte nicht zum ersten Mal, was für ein Potential in ihm steckt. Im Jahrgang 2014 sogar das Größte aller verkosteten Weine. Der Wein punktete mit null Frucht, da war im ersten Moment nur kühler, nasser Stein. Dann wirkte er sehr mineralisch, präzise. Die Säure ist klar und straff wie ein Laser. Der Wein bleibt immer ganz schlank, leicht salzig im Mund, hat enormen Trinkfluss- und fängt gerade mal an Spaß zu machen. Diese Beschreibung lässt sich zumindest in Teilen auf fast alle Weine des Betriebes anwenden, in besonderem Maße natürlich für die 2018er Version des Weins, die die beschriebenen Geschmacksparameter wie sein Vorgänger aufweist. Paul Weltner sucht keine aufdringlichen Primäraromen, keine vordergründigen Crowd Pleaser. Struktur, Mundgefühl, Langlebigkeit und Kompatibilität mit absoluter Spitzengastronomie – das sucht er. Die jetzt erfolgte Heraufstufung war eigentlich abzusehen, die Fans des Hauses wissen seit Langem um die Qualitäten und vor allem um das Reifepozenzial der Weltner Weine.
Gipskeuper bringt Würze und Filigranität.
Paul Weltner ist mit seiner neuen Wertung der erste Gipskeuperwinzer, der das geschafft hat. Aber die so typische – und manchmal eigenwillige Keuperwürze ist nirgends eleganter als bei ihm, sie ist unverkennbar und wird trotzdem anders interpretiert. Weltner schafft es derzeit wie kein Zweiter, seine Weine trotz der Würze feiner und eleganter zu machen. Ein Stil, der sich auch unterhalb der Großen Gewächse deutlich zeigt. Gerade die Ersten Lagen aus dem Küchenmeister sind eine sprichwörtliche Bank, würzig-kühles Trinkvergnügen mit Reifepotenzial zum budgetfreundlichen Preis. Ein 90-Punkte-Wein auch der Riesling aus der gleichen Lage. Wie 2018 sehr oft in Franken, steht diese Rebsorte dem Klassiker Silvaner wirklich in nichts nach. Dass Weltner auch in der Basis keine Kompromisse macht, zeigt exemplarisch die Rödelseer Scheurebe. Wie schon im Vorjahr ist sie aromatisch, aber dennoch schlank und kühl ausgefallen, sie hat sich unter den Kunden zum Geheimtipp entwickelt und ist schnell ausverkauft. Das gilt für die Scheurebe aus Erster Lage Schwanleite noch viel mehr.